Leistungspferde ohne Kraftfutter - unser Weg zur gesunden Pferdefütterung

Die Küfes vor ihren getrockneten HSR-Pferdeheuballen

Karen Küfe und ihr Mann Harald haben ihre Berufung gefunden. Sie berichtet aus ihrem abwechslungsreichen Alltag: „Seit rund 30 Jahren bewirtschaften wir nun unseren „Osterheidehof“ im malerischen Niedersachsen. Wir haben uns mit viel Leidenschaft zur Natur, zum Tier und der Landwirtschaft als Landwirtschafts- und Pferdebetrieb profiliert. Mein Mann Harald hat die klassische Ausbildung zum Landwirt absolviert. Meine Berufung habe ich durch die pädagogische Ausbildung zum „Therapeutischen Reiten“ gefunden. Nach ergänzenden Aus- und Weiterbildungen habe ich mich auf die Therapie von Pferden mit besonderen Verletzungen und Stoffwechselproblemen spezialisiert. Zu Beginn führten mein Mann und ich eine nebenerwerbliche Landwirtschaft und hatten zwei bis drei Pensionspferden eingestellt. Nach und nach entwickelte sich unser Pferdebetrieb und so stehen heute nicht weniger als 70 stattliche Pferde in unseren Stallungen. Als die Anzahl der Pferde anstieg, fütterten auch wir Kraftfutter und Heulage.

Heuballen werden auf einem Wagen in die Trocknungsanlage eingefahren

Schon lange war es unser Traum, pferdegeeignete Gräser anzubauen, um das kerngesunde Pferdeheu selbst zu ernten und aufzubereiten. Harald war in der Zwischenzeit zum Vollerwerbslandwirt geworden, die großen Mengen an Heu konnten wir damals aber noch nicht selbst erzeugen. Für uns beide gehören regelmäßige Fortbildungen einfach zu unserem Selbstverständnis, wir sind davon überzeugt, dass wir nur so bestmöglich unser Wissen und unsere Erfahrung erweitern können. Auf einer eben dieser Fortbildungen im Jahr 2008 hörten wir von einem künstlichen Trocknungsverfahren von Heu im benachbarten Österreich. Unsere Neugierde war natürlich groß und als wir im Jahr 2010 schließlich ausgewählte Vorzeigebetriebe in Österreich besuchten, waren wir sogleich begeistert. Die Trocknung von Rundballen war zu dieser Zeit noch längst nicht ausgereift, trotzdem erkannten wir die neuen Möglichkeiten, da Heu nicht mehr lose trocknen zu müssen. Etwas mehr als ein Jahr war es soweit: Wir nahmen die innovative Technik der Heutrocknungsfirma HSR von Josef Reindl in Betrieb. Die tolle Anlage mit ihrer klugen Steuerungstechnik hatte uns vollends überzeugt. In den vergangenen Jahren hat mein Mann Harald also unseren Traum umgesetzt und sich auf die Erzeugung von qualitativ hochwertigem Pferdefutter fokussiert.

Wie funktioniert nun diese spezielle Trocknung?

Diese besondere Art, das Heu zu trocknen, arbeitet im Umluftverfahren mit warmer entfeuchteter Luft – so wie sie auch bei der Kräutertrocknung ihre Anwendung findet. Durch dieses schonende Verfahren wird das Futter niemals über 40°C erwärmt, was zur Folge hat, dass alle Eiweiße und ätherischen Öle im Heu erhalten bleiben. Da das Heu nach dem Schnitt nur zwei bis drei Mal bearbeitet wird, bleibt auch die wertvolle Blattmasse der Pflanzen bleibt unverändert. Unmittelbar danach wird das Heu zu Rundballen gepresst und in die Trocknung gebracht. Bereits einen Großteil unserer herrlichen Ernte aus dem Jahr 2012 konnten wir mit dieser innovativen Technik trocknen. Seitdem können wir mit Freude sagen: Unser Raufutter besteht ausschließlich aus unserem hofeigenen Heu. Zusätzlich erhielten alle Pferde bewährte Getreidemischung als Kraftfutter. Wir waren begeistert von den Veränderungen, die wir an den Tieren erkennen konnten. Das Fell der Tiere wurde deutlich glänzender. Ihre Muskulatur wurde sichtbar und fühlbar fester, zugleich stieg die Elastizität der Muskeln. Besonders erstaunlich war auch die Tatsache, dass trotz der längeren Fresszeiten die Figurprobleme mancher Tiere zurückgingen. In Verbindung mit ausreichend Bewegung erlangten schließlich viele Tiere ihr Idealgewicht. Erfreulich war auch die Abnahme der Neigungen zu fütterungsbedingtem Kotwasser. Die Pferde wirkten deutlich zufriedener und zuvor vorhandene Blähungen nahmen ab – dies wirkte sich positiv auf die Rittigkeit der Tiere aus.

Wie erfolgte die Umstellung?

Pferde fressen hochqualitatives HSR-Pferdeheu

Anfangs fütterten wir den Tieren wie gewohnt noch drei Portionen am Tag. Da wir aber spürten, dass die nicht der Natur der Pferde entsprach, bauten wir kurzerhand die Ställe um und ermöglichten den Tieren so die den freien Zugang zum Raufutter („ad libitum“). Selbstverständlich nutzten einiger der Pferde diese neue Möglichkeit aus und standen permanent am Heu. Die Folge: Sie nahmen rasch zu. Sie waren es gewohnt, nur eine bestimmte Menge zu bekommen und fraßen nun quasi auf Vorrat. Ein erstaunlicher Effekt stellte sich nach wenigen Wochen ein: Die Pferde verstanden, dass sie nun unbegrenzten Zugang zu ihrem geliebten Raufutter hatten und dass es genug Heu für alle gab. Der Futterneid verschwand ebenso rasch wie die zusätzlichen Kilos. Dies gelang den Warm- und Vollblütern natürlich schneller als den Haflingern und Reitponys (den Robustpferden). Die Großpferde gelangten zu einer Fressmenge von ca. 1,5 bis 3 kg je 100kg Körpergewicht. Nach und nach verringerten wir die energiereichen Kraftfutterportionen über einen Zeitraum von einem Jahr. Heute füttern wir unseren Schützlingen in Boxenhaltung täglich zwei Portionen à 100g Schwarzhafer. Dieses Getreide dient als Mineralfuttergabe und lockt die Pferde vom Freilauf auf der Weide zurück in ihren Stall. Alle Pferde, die in Gruppen und Laufställen leben, nehmen ihre Mineralien über die bewährten Leckschalen auf.

Was sagen die Einsteller dazu?

Für  viele unserer Einsteller, die oft langjährige Erfahrung im richtigen Umgang mit Pferden haben, ist es schwer vorstellbar, dass ihre Pferde ohne Kraftfutter genügend Energie und Mineralien erhält. Fragen wie „Kann ich es dann überhaupt reiten?“ oder „bekommt es denn so genügend Kalorien?“ haben wir mehr als einmal gehört. Bereits nach kurzer Zeit sind sich beinahe alle Einsteller einig: Ihr Pferd entwickelt sich mit dieser natürlichen Ernährungsform besser denn je. Bis in den höheren L-Bereich hinein können die reiterlichen Anforderungen bestens erfüllt werden, die Tiere strotzen vor Kraft und Vitalität. Wir hören immer wieder von Pferden, die ihren Energiebedarf nicht über das Heu decken können. Aus Erfahrung können wir sagen: Die Energiedichte des Heus wird durch die Qualität bestimmt und nur bestes Heu, das schonend getrocknet wurde, kann den hohen Anforderungen des Pferdeorganismus artgerecht erfüllen.

In Zeiten verstärkter Leistungsanforderdung wie etwa durch intensives Training, Lehrgangseinsätze oder regelmäßige Turniere füttern wir den Tieren besonders energiereiches Heu. Auch im Fellwechsel können Pferde einen höheren Energiebedarf haben, der durch besonders reichhaltiges Heu gedeckt werden kann. Eine Besonderheit stellt auch das energiereiche Heu aus sehr weichem zweiten oder dritten Schnitt dar, das vor allem alten und sehr alten Pferden gut tut, die ja immer wieder auch mit Zahnproblemen zu kämpfen haben.

Welche Gräser werden zum Qualitätsheu?

Für uns ist es ein besonderes Geschenk, dass wir die Entwicklung vom Grassamen über die frischen Gräser bis hin zum qualitativ hochwertigen Pferdeheu beobachten und begleiten dürfen! Für unsere Pferde- und Heuwiesen sowie für die Beweidung säen wir ausschließlich speziell für Pferde geeignete magere Gräser an. Das weit verbreitete Ansäen von stark zuckerhaltigen Leistungsgräsern vermeiden wir so gut es geht. Dies gestaltet sich jedoch aus zwei Gründen schwierig: einerseits gibt es kaum fertige Saatmischungen ohne diese Gräser. Andererseits gelangen die Samen auch von benachbarten Weiden auf unsere Anbaugebiete. Das Heu unterscheidet sich nicht nur nach der Sorte der Gräser, sondern auch durch den Zeitpunkt der Mahd. Sehr leichtfutterige Pferde füttern wir mit sehr spät gemähtem ersten Schnitt, der deutlich nach der ersten Blüte erfolgt. So erreichen wir zudem eine Ausbreitung der von uns bevorzugten Gräser auf unseren Weideflächen, da Heu ist durch einen geringeren Energiegehalt und höheren Rohfaseranteil charakterisiert. Das Heu vom ersten oder zweiten Schnitt, das in oder kurz nach der Blüte gemäht wird, verfüttern wir unseren normalfuttrigen Tieren. Einen weicheren, früh gemähten zweiten Schnitte (oder wenn möglich gedüngten dritten Schnitt) reichen wir als Kraftfutterersatz, etwa für unsere älteren Pferde und bei generell erhöhtem Energiebedarf.

Worauf muss bei der Weidenpflege geachtet werden?

Mein Mann Harald ist Landwirt aus Leidenschaft. Die naturnahe Bewirtschaftung der Kulturflächen ist ihm ebenso wichtig das daraus gewonnene Produkt: Das qualitativ hochwertige Futterheu und die kerngesunden Weiden. Dies stellt ihn immer wieder vor besondere Herausforderungen. Für gesunde Gras- und Weidefläche braucht es viel Wissen und Erfahrung. Dabei achtet er besonders darauf, welches Gras sich für die von unseren Tieren geforderte Nutzungshäufigkeit und die Nutzungsart eignet. Die klassischen Dauerwiesen mit ihren bewährten Sorten wie Glatthafer, Wiesenschwingel und Goldhafer sind für die dreimalige Nutzung geeignet. Hochleistungsgräser wie Knaulgras oder auch das Deutsche Weidelgras lassen sich durch intensive Düngung auch vier oder fünf Mal mähen. Dies liegt aber nicht in unserem Sinn. Wir achten auf die Qualität, nicht auf die Quantität und entscheiden uns bei der Sortenauswahl stets für Biodiversität.

Wodurch wir die hohe Qualität konstant gewährleistet?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Getreu diesem Motto lassen wir unsere Heusorten regelmäßig prüfen und genauestens analysieren. Nur so erhalten wir genaue Informationen über die Nährwerte und wir erhalten die Fakten schwarz auf weiß. Besonders interessant: Der Energiegehalt des späten Schnittes kommt auf 10,2 MJ/kg Trockenmasse und 143g/kg Rohprotein/kg Trockenmasse. Dies ähnelt bereits dem Energiewert von Futterhafer, der laut DLG-Tabellenwert bei 11,52 MJ/kg Trockenmasse liegt.

Unser Fazit:

Nach jahrelanger Erfahrung mit den unterschiedlichsten Pferden, vom Pony über den Haflinger bis hin zum sportlichen Warmblut und dem temperamentvollen Vollblut, können wir mit Stolz behaupten, dass wir unseren Tieren das beste Futter für ihre individuellen Anforderungen verfüttern.

Qualität des Heus steht bei uns im Vordergrund und durch das gesammelte Wissen, die Erkenntnisse der vergangenen Jahre und das nachhaltige Management in Verbindung mit regelmäßigen Analysen bieten wir bestes Pferdeheu bei idealer Energieversorgung. Durch die Gabe von verschiedenen Heusorten gewährleisten wir auch eine naturnahe Fütterung, der freie Zugang entspricht zudem viel eher dem natürlichen Fressverhalten als eine regelmäßige Heugabe (etwa drei Mal täglich zu fixen Zeiten mit fixen Mengen). Durch das zusätzlich aufgenommene Weidegras wird der individuelle Bedarf an Nährwerten und Fasern entsprechend den jeweiligen Leistungsanforderungen der Tiere gedeckt. Neben dem allgemein zufriedeneren Wesen der Pferde zählen auch die gesteigerte Leistungsfähigkeit und die Abnahme von krankheitsbedingten Ausfällen der Pferde zu den sichtbaren Früchten unseres nachhaltigen Handelns.

 

Noch Tipp für alle Zweifler:

Wir raten (Sport-)Reitern, die sich (noch) nicht trauen, ihre geliebten Pferde mit dieser naturnahen und nachhaltig gesunden Ernährungsweise zu füttern: Wagen Sie einen Versuch – der Erfolg gibt dieser Methode recht! Die Gesundheit und Vitalität ihrer Lieblinge werden davon profitieren!

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