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Die Entstehung der Heutrocknung in Luxemburg

Im Süden Luxemburgs bewirtschaften wir mittlerweile in der 13. Generation einen Milchviehbetrieb mit 60 Milchkühen der Rasse Schwarzbunt Holstein plus Nachzucht, sowie eine Mutterkuhherde mit 45 Ammenkühen der Rasse Limousin auf einer Fläche von 130ha.

Die Kostenexplosion in der Landwirtschaft der Jahre 2008/09, die Milchkrise 2009 mit desolatem Milchpreis, sowie der sich anschließende Rentabilitätsrückgang im Marktfruchtbau bewirkten immer dringlicher, nach Alternativen zu suchen. Ich war zur Überzeugung gelangt, dass die weitere Betriebsentwicklung nur in Richtung von größerer Autonomie in Punkto Futter und Betriebseinrichtungen orientiert werden musste. Die gesamte gesellschaftliche “Großwetterlage“ rund um die Landwirtschaft mit immer größeren Ansprüchen an Umwelt- und Nachhaltigkeitsbelangen taten ihr Übriges: es musste sich etwas bewegen!

Ein Fachartikel in einer landwirtschaftlichen Zeitschrift, in welchem ich im Winter 2010/11 einige Internetadressen aufgriff, veranlasste mich dazu, mich eine Zeit lang ziemlich intensiv durch das Thema Heutrocknung durchzuklicken. Ich verschlang jeden Beitrag betreffend Heutrocknung, der mir unter die Augen fiel und merkte sofort: das Thema fesselte mich!

Im Frühjahr 2011 schickte ich dann eine Email an die Firma HSR mit der Bitte, mir Näheres zum Thema zu erzählen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Per Motorrad besuchte mich Sepp Reindl und sein Kollege Ende Juni 2011. Eine kurze Besichtigung unseres Betriebes ergab eine ebenso kurze Empfehlung: Silo muss weg, hörst du! Die Botschaft hörte ich wohl, nur der Glaube daran brauchte etwas länger…

Es folgten eine Reihe Besichtigungen in entsprechenden Heutrocknungsregionen in Österreich, Allgäu/ Deutschland, Frankreich, der Schweiz und schließlich auch am Hof von Sepp Reindl, der zum damaligen Zeitpunkt auch der Sitz seines Unternehmens HSR war.

Tief beeindruckt von der einfachen Arbeitsweise, der augenscheinlichen Gesundheit der mit Trocknungsheu gefütterten Milchviehherden, deren extrem hohen Grundfutterleistung, sowie nicht zuletzt dem wohlduftenden, sagenhaft grünen Heu, setzte sich die Idee der ernsthaften Prüfung einer Umstellung auf Heuwirtschaft in meinem Kopf fest.

Hin und her gerissen zwischen den offenkundigen Vorzügen der Heuwirtschaft und deren doch exotischen Erscheinung in der luxemburgischen Bauernwelt erlebten wir das Entstehen unseres Projektes. Ein insgesamt 4 Jahre währender Spießrutenlauf durch Planungs- und Genehmigungsverfahren führte uns im Oktober 2015 schließlich zum Baubeginn.

Zurückbehalten wurde eine 50 & 21m große Heuhalle mit vier 200 qm großen Trocknungsboxen für insgesamt ca. 8000m3 Heu und einer 10m breiten Durchfahrt, welche zur Hälfte mit Schlitzbrückenblechen ausgelegt wurde, um eine 90 qm große Trocknungsbox für Feuchtmais aufzunehmen.

Die Anlage von HSR umfasst einen 45kW Lüfter und einen 77kW Luftentfeuchter, welche von einem Diesel-Aggregat zur Stromerzeugung angetrieben wird. Die dabei kostenlos anfallende Motorwärme wird zum Aufwärmen der Trocknungsluft mitgenutzt.

Unser im Jahre 1995 erbauter Boxenlaufstall wurde gleichzeitig um 39 Liegeboxen für Milchkühe sowie 16 für Jungvieh erweitert. Der räumliche Anbau von beiden Gebäuden erlaubt nun den Heuabwurf per Heukran direkt am Futtertisch.

Die durch Umwandlung unseres ehemaligen Ackerlandes hinzugewonnenen Grünlandflächen liefern das zusätzlich benötigte Grundfutter in Form von Grünfutter und Heu. Da wir ebenfalls auf Silomais verzichten, muss die entsprechende Futtermasse abzüglich des Körnermais ebenfalls aus dem Grünland gedeckt werden. Mit Ausnahme des Jungviehs bis zum Alter von 6 Monaten geht wie bisher der ganze Viehbestand von Ende April bis Ende Oktober zur Weide.

Im Mai 2017 hieß es bei uns: auf los geht’s los oder „back to the Future“!

Unsere ersten Gehversuche mit der Heutrocknung. Die anfängliche Unsicherheit mit ersten Erfahrungswerten hat sich inzwischen in große Gelassenheit und breite Zuversicht verwandelt! Sowohl die Heutrocknung, als auch die Trocknung vom Körnermais im Oktober bewiesen ihre von HSR versprochene Schlagkraft.

Auch die erste Wintersaison mit Trocknungsheu offenbarte und übertraf sogar die erwarteten Potenziale. Die Kombination von Trocknungsheu und in den Abrufstationen verfütterte Mischung aus gequetschtem Trockenmais (64%) und Futtergetreide (32%) erwies sich als echter Knüller! Bei gestiegener Milchleistung erreichten die Inhaltsstoffe der abgelieferten Milch im März einen Monatsdurchschnitt von 3,97% Milcheiweiß und 4,73% Milchfett. Das jahrelang eingesetzte Kraftfutter haben wir kurzerhand ersatzlos gestrichen. Eine erste Schätzung der durchschnittlichen, täglich gefressenen Heumenge ergab 24-25kg TS!

Der Anblick unserer Tiere verrät eine deutlich gesteigerte Herdengesundheit. Die Kühe wirken zweifellos zufriedener, werden frischmelkend eher brünstig und danken es mit verbesserter Fruchtbarkeit. Auch die Klauenprobleme der Herde sind wesentlich kleiner geworden, selbst Mortellaro konnte nur mehr minimal vom Klauenpfleger festgestellt werden. Selbstredend verringerten sich die Tierarztkosten entsprechend.

Die Umstellung auf Heuwirtschaft hat uns eine viel einfachere Arbeitsweise und deutlich verringerte Verschleißkosten beim Unterhalt der am Betrieb gebrauchten Maschinen gebracht. Die Technik zur Futtervorlage ist so zeit- und energiesparend wie simpel: per Hofschlepper.

Alles in allem erfüllt uns der gewagte Schritt mit großer Genugtuung und stellt einen echten Quantensprung dar! Die gegen Ende des laufenden Jahres erwartete Sollgröße der Milchviehherde mit 85 Milchkühen wird auch ohne Heumilchzuschuss auf den Milchpreis die Finanzierung und langfristige Rentabilität der Investition ermöglichen. Natürlich hoffen wir, eines Tages die gesteigerte Milchqualität über einen höheren Milchpreis vergütet zu bekommen.

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